Berlin, früher Freitagmorgen, 10. November 1989

The Sounds of Freedom

Wie westliches Radio, Rock and Roll und Popkultur halfen, den sowjetischen Kommunismus zu Fall zu bringen.

Status
In Entwicklung
Format
Acht Folgen
Auswertung
2029
Anlass
40. Jahrestag des Mauerfalls
Buch
Michael Harbert, Alan Axelrod PhD, Thomas Purschke

Jahrzehntelang wurde das Ende des sowjetischen Kommunismus vor allem als Geschichte politischer Führungsfiguren, militärischen Drucks und wirtschaftlichen Scheiterns erzählt.

Diese Serie erzählt die größere, menschliche Geschichte: wie der Wunsch nach Freiheit auf Kurzwelle, auf Vinyl und auf Kassette über den Eisernen Vorhang kam, und wie gewöhnliche Bürgerinnen und Bürger daraus die Friedliche Revolution machten.

A record cut into a sheet of X-ray film showing a ribcage, with a hand-punched centre hole.
Illustration. Westliche Schallplatten wurden in ausrangierte Röntgenfilme geschnitten und im gesamten Ostblock von Hand zu Hand weitergegeben.

Fünf miteinander verwobene Erzählstränge

Die Serie

  1. 01

    Die Stimmen

    Radio Free Europe und Radio Liberty, die Voice of America, der BBC World Service, der Rundfunk im amerikanischen Sektor, die Deutsche Welle und Radio Vatikan. Mitte der 1980er Jahre erreichten westliche Sendungen in einer gewöhnlichen Woche etwa ein Viertel der erwachsenen Sowjetbevölkerung, über fünfzig Millionen Menschen. Keine Propaganda gegen einen Feind: Nachrichten für Bürger, deren eigene Regierungen keine mehr lieferten.

  2. 02

    Die Kultur

    Platten, Kassetten, Bluejeans, Filme und Konzerte, die zu Konfrontationen wurden: Queen vor achtzigtausend Ungarn 1986, die Reichstagskonzerte 1987, deren Klang über die Mauer trug. Die westliche Kultur stritt nicht mit dem Kommunismus. Sie zeigte ein anderes Leben und ließ die Menschen ihre eigenen Schlüsse ziehen.

  3. 03

    Strategischer Druck

    Reagan, Thatcher, Johannes Paul II. und schließlich Gorbatschow. NATO-Stationierungen, die Strategic Defense Initiative, einbrechende Öleinnahmen und eine Wirtschaft, die Brot und Imperium nicht mehr zugleich bezahlen konnte. Der Druck schuf die Öffnung. Er füllte sie nicht.

  4. 04

    Die Menschen

    Die Solidarność und ihre zehn Millionen Mitglieder. Die Charta 77, entstanden aus dem Prozess gegen eine Rockband. Zwei Millionen Balten, die sich über 675 Kilometer an den Händen fassten. Siebzigtausend Menschen auf dem Leipziger Ring, vorbei an achttausend Bewaffneten, deren Befehle nie kamen.

  5. 05

    Der Schattenstaat

    Unter allem: der KGB, die Stasi, die Securitate. Der Antagonist der Serie, und der Grund, dass in dieser Geschichte etwas auf dem Spiel steht. Jeder Hörer, jeder Sänger, jede Unterschrift hatte ihren Preis, und wer ihn zahlte, kannte die Zahl im Voraus.

Von einem verschlossenen Kontinent zu einem offenen

  1. Davor

    Vor der Friedlichen Revolution

    Der Block, wie er 1980 dastand: gewaltig, humorlos und im Stillen hohl.

  2. Musik

    Das Schlachtfeld Musik

    Wie eine Kassette zur Schmuggelware wurde und ein Konzert zur Sicherheitsoperation.

  3. Berlin

    Berlin, der Brennpunkt

    Die geteilte Stadt, in der die ganze Geschichte auf wenigen Quadratkilometern Platz findet, weltweit bekannt als Ground Zero des Kalten Krieges.

  4. 1988

    Die Konvergenz

    Das Jahr, in dem die einzelnen Kräfte aufhörten, parallel zu laufen, und begannen zu kollidieren.

  5. 1989

    Die Revolutionen

    Sechs Länder, sechs verschiedene Enden: vom Runden Tisch in Warschau bis zum Erschießungskommando in Rumänien.

  6. Danach

    Sieg und Erbe

    Der 25. Dezember 1991, und die Frage, die die Serie offen lässt: wie viel von diesem Sieg den Sendern, den Musikern und den Millionen gehörte, die sich die Freiheit vorstellten, bevor sie sie ergreifen konnten.

Das Schlachtfeld Musik

Eine Kassette ließ sich in jeder Küche kopieren

Schallplatten kamen in Koffern und Diplomatenpost in den Ostblock und vermehrten sich dann jenseits jeder Kontrolle. Ein Presswerk braucht eine Fabrik. Eine Kassette braucht ein zweites Gerät und einen Nachmittag.

Im Westen gepresst, im Osten kopiert und weiterkopiert.
Das Vervielfältigen brauchte keine Genehmigung und hinterließ kein Register.
Kurzwelle, nach Einbruch der Dunkelheit, leise gedreht.
Der Klang, den ein Staat verbieten, aber nicht zum Schweigen bringen konnte.
Laut genug, um durch eine Wand gehört zu werden.
Eine riesige Menschenmenge bei einem Open-Air-Konzert von Bruce Springsteen in Ost-Berlin im Juli 1988.

Der Staat druckte 160.000 Karten; über 300.000 Menschen standen im Schlamm. Nach einer Stunde verlas Springsteen, in phonetischem Deutsch, die Hoffnung, dass eines Tages alle Barrieren niedergerissen würden. Das DDR-Fernsehen übertrug live und schnitt den Satz heraus. Sechzehn Monate später war die Mauer offen.

Bruce Springsteen, Ost-Berlin, 19. Juli 1988 Ralf Steinberger CC BY 2.0

Menschenmenge in einer Leipziger Straße während einer Montagsdemonstration im Oktober 1989.
Leipziger Montagsdemonstration, 23. Oktober 1989 Bundesarchiv, Bild 183-1989-1023-022 / Friedrich Gahlbeck CC BY-SA 3.0 DE
Das Brandenburger Tor hinter der Berliner Mauer im Dezember 1989.
Brandenburger Tor, Dezember 1989 SSGT F. Lee Corkran, US Department of Defense Gemeinfrei
Reagan und Gorbatschow beim Gipfeltreffen in Genf im November 1985.
Gipfeltreffen in Genf, 19. November 1985 White House Photographic Office Gemeinfrei

Die Fotografien auf dieser Seite stammen aus Archiven und sind einzeln nachgewiesen. Alle übrigen Bildmotive sind eigens gestaltete Grafiken und zeigen kein historisches Ereignis und keine reale Person.

Der Schattenstaat

Ihnen gegenüber stand der Apparat, der ganze Bevölkerungen im Inneren halten sollte: der KGB, die Stasi, die Securitate und die übrigen von Moskau gelenkten Geheimdienste.

Sie störten Sendungen, unterwanderten Kirchen und Musikszenen, verhafteten Musiker, legten Akten an und warben Informanten an. Nichts misst die Macht eines Liedes so genau wie der Preis, den ein Staat zahlt, um es zu stören.

Sie sind der Antagonist der Serie, und der Grund, dass in dieser Geschichte etwas auf dem Spiel steht.

91.000

Hauptamtliche Mitarbeiter des MfS, 1989

190.000

Geführte Informanten

111 km

Aktenbestand, den das MfS hinterließ

3.000

Sowjetische Störsender in der Spitze, geschätzt

300 Mio $

Im Jahr für das Stören westlicher Sender, ein Mehrfaches des eigenen Auslandsrundfunks

Stasi-Zahlen: Stasi-Unterlagen-Archiv im Bundesarchiv. Störfunk-Zahlen: Schätzungen der Produktion.

Es fiel, als vier Kräfte im selben Moment zusammentrafen: ein Staat, der sich nicht mehr bezahlen konnte, eine Grenze, die Information nicht mehr aufhalten konnte, eine Generation, die sich ein anderes Leben längst vorgestellt hatte, und eine Bevölkerung, die auf einen Schlag aufhörte, Angst zu haben.

Das Ende des Kalten Krieges hat einen Soundtrack. Diese Serie zeigt: Er war eine Ursache.

Haben Sie mitgehört?

Wenn Sie durch die Störsender hindurch zugehört, eine Kassette weitergegeben haben oder dafür überwacht wurden, möchten wir Ihren Bericht aufzeichnen.

Wer 1989 zwanzig Jahre alt war, ist heute Ende fünfzig. Diese Zeitzeugenberichte haben eine Frist, die Produktion nicht.

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